Eine alte Sehnsucht

Ich sollte in grünem Gewand kommen.

Sie legte sich in der Mitte des Raumes auf den Boden und bat mich, meine linke Hand auf ihr Herz und meine rechte auf ihre Stirn zu legen. Ich kniete mich neben sie. Sie schloss ihre Augen. Ich stimmte meinen Atem auf ihren ein.
Dann legte ich zuerst meine linke Hand mit der eurythmischen tastend-berührend-behütenden M-Gebärde auf ihr Herz.
Ich atmete weiter mit ihren Atemzügen. Dann legte ich meine rechte Hand mit der gleichen Intention auf ihre Stirn.
Über mehrere Minuten blieb ich in dieser äusseren und inneren Haltung.
Allmählich begann ein Strom zwischen meinen beiden Händen zu fließen, den nicht ich anregte, der dennoch durch mich lief.
Mein Bestreben war, diesem Fließen nichts Eigenes, keine eigenen Impulse hinzuzufügen.

In dem Augenblick, als das Fließen in mir spürbar wurde, begannen bei der Frau Tränen zu fließen. Nach weiteren Minuten des Weinens folgte eine Phase ohne Tränen, mit tiefen Atemzügen. Mein Atem verschmolz und eine lange Stille folgte.
Sie öffnete ihre Augen und sagte: „Danke! Vielen vielen Dank! Das habe ich mir mein ganzes Leben lang gewünscht.“

Mit diesen Worten setzte sie sich auf und putzte sich geräuschvoll die Nase.
Schweigend saßen wir noch ein paar Minuten beieinander auf dem Boden.
Dann stand sie auf, lächelte mich an und verließ mit einem kurzen Nicken den Raum.

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